Einordnung Tarifabschluss
TV-L: Ein Kompromiss, den niemand feiert
Der Abschluss bringt 5,8 Prozent, rechnerisch 5,9 Prozent mehr Einkommen. Für die Gewerkschaften ist das kein Grund zum Jubeln, sondern ein mäßiger Kompromiss. Feiern wird dieses Ergebnis auch bei uns niemand. Die lineare Erhöhung bleibt klar hinter der ursprünglichen Forderung zurück. Zudem fällt die Laufzeit ins Gewicht. 27 Monate sind lang. Fünf Monate ohne tabellenwirksame Erhöhung bis April 2026 erfordern Geduld. Wir hätten uns eine schnellere Wirkung gewünscht.
Warum haben der Deutsche Beamtenbund und Ver.di das Angebot der TdL trotzdem angenommen? Anders als im TVöD gibt es im TV-L kein Schlichtungsverfahren. Wenn keine Einigung zustande kommt, folgt direkt die Urabstimmung über einen Streik. Eine Schlichtung als Zwischenschritt, wie sie bei Bund und Kommunen schon angewendet wurde, existiert im Länderbereich nicht. Die TdL lehnt die Einführung eine Schlichtungsvereinbarung bislang ab.
Hätte man das Angebot nicht angenommen, wäre es zur Urabstimmung gekommen. Dafür braucht es eine breite Mehrheit der betroffenen Tarifbeschäftigten. Ob diese zustande gekommen wäre, ist offen. Im schlechtesten Fall schwächt eine gescheiterte Urabstimmung die eigene Position am Verhandlungstisch.
Die Verhandlungen waren hart und zäh. Das ist keine Floskel. Der Deutsche Beamtenbund hat seine Mitgliedsgewerkschaften laufend informiert. Die Blockadehaltung der Arbeitgeberseite war deutlich spürbar und mehr als enttäuschend.
Nach Angaben des Bayerischen Beamtenbundes war der Freistaat Bayern diesmal so eng wie noch nie eingebunden und saß als einziges Bundesland mit eigenem Vertreter am Tisch. Damit hatte Bayern unmittelbaren Einfluss auf dieses Ergebnis. Einfluss bedeutet Verantwortung. Wer an zentraler Stelle mitverhandelt, trägt politische Mitverantwortung für Inhalt, Tempo und Umsetzung des Abschlusses. Der Freistaat kann sich daher weder in der Bewertung noch bei der Übertragung auf eine bloße Beobachterrolle zurückziehen.
Trotz allem gibt es auch positive Punkte. Bei der Einkommensentwicklung zieht der TV-L mit dem TVöD von Bund und Kommunen gleich, zumindest ab Januar 2028. Es gibt mehr Geld für den Schichtdienst. Die 150 Euro für Auszubildende sind ein klares Signal an die Nachwuchsgewinnung.
